Daily Archive for Februar 27th, 2007

Ende Gelände

Heute war mein Schatzi bei einem Dozenten, damit er ihre Magisterarbeit betreut. Der Mann ziert sich ein bißchen. Das Problem an der Sache ist, dass er “nur” wissenschaftlicher Mitarbeiter ist.  Und ab jetzt gilt die Regelung, dass mindestens ein Dozent mit Professur oder ähnlichem als Prüfer an der Magisterarbeit beteiligt sein muss. Dadurch wird es unlängst schwerer, Betreuer für die Magisterarbeit zu finden, da die Zahl der erforderlichen Professoren eher dünn gesät ist. Laut Auskunft des hier angesprochenen wissenschaftlichen Mitarbeiters hat er die Leitung mal darauf angesprochen, dass die Studenten dadurch auch Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Als zynische Antwort gab es dann ein: “Dann müssen sie halt warten!”.

Ich frage mich, ob da bestimmte Leute an der Uni die Einschläge nicht mehr wahrnehmen. Schon jetzt herrschen in unserem Studiengang eher bescheidene Zustände, die sich durch solche Maßnahmen eher verschärfen. Wenn ein Lehrender die Uni verlässt, wird die freiwerdende Stelle nicht sofort neu besetzt. Es ist einfach zum heulen. Aber hey, ich zahle ja auch nur Studiengebühren. Selber schuld, wer so naiv ist, da eine Gegenleistung zu erwarten. Traurig auch, dass sich z.B. unsere Fachschaft dieses Themas nicht annimmt, aber wahrscheinlich darf man da auch nicht zuviel erwarten. Aber wie gesagt, wir heißen jetzt “Leuphana Universität Lüneburg”. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker. Ach Mist, das war ja gar kein Medikament. Schon seitdem ich an der Uni bin, sind die Zustände bekannt, geredet wurde seitdem viel, aber auch mal so gut wie nichts getan. Wenn ich noch einmal höre, Bildung ist die einzige Ressource in Deutschland und ganz besonders wichtig, dann werde ich denjenigen dazu zwingen sämtliche Prüfungsordnungen auswendig zu lernen und dann zu essen.

Eine kleine Geschäftsidee

Gestern abend schön mit Schatzi so genanntes Boulevardfernsehen betrachtet. Da kam dann ein Bericht über das Pärchen Doreen und Ronny aus Berlin. Beide sind leider arbeitslos und leben von Hartz-IV. Doch Ronny mag nicht mehr nur von Hartz-IV leben und träumt von einem Leben, wo man sich auch was leisten kann. Einen höheren Standard halt, oder auch eine Weltreise. Naja, und da der Ronny nicht ganz doof ist, setzt er sich hin und überlegt, was man denn so machen könnte. Das dauert ein bißchen und irgendwann hat Ronny die alles entscheidende Idee: Nicht er wird etwas an dieser Situation ändern. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss! Sondern Doreen wird in den Puff geschickt. Also, überredet er kurzerhand sein Schatzi dazu, sich als Prostituierte feilzubieten.

Also, wird Doreen in den Puff geschickt und nach einem Besuch beim Frisör darf sie dann die ersten Freier ranlassen. Leider fühlt sie sich nicht so gut dabei und als ein älterer Herr das Recht an ihrer Liebe für einen begrenzten Zeitraum erwirbt, da bricht sie die ganze Sache noch am ersten Tag ab.  Jetzt haben sich alle von ihr abgewendet und auch Ronny, diese selbstlose, treue Seele mag sie erstmal nicht mehr anfassen.

Was ich an diesem Bericht so unsagbar schrecklich fand, war einfach die lakonische Darstellung des Ganzen. Kein Kommentar dazu, dass dieses charakterlose Arschloch seine eigene Freundin zum Anschaffen schickt. Auch keine kritischen Fragen an ihn. Vielmehr wird die Sache so dargestellt, als hätte sie einen Probetag beim Bäcker verbracht. “Möchten sie unser Kraftkornbrot geschnitten oder am Stück?” Naja, vielleicht darf man ja mittlerweile so mit Menschen umgehen, die versuchen, wieder Anschluss an das Arbeitsleben zu finden. Und das keiner den Typen mal kastriert. Unfassbar. Aber sich dann nächste Woche wieder darüber aufregen, dass der Eisverkäufer an der Ecke nicht die DIN-Norm bei der Eiskugel-Größe einhält.